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Laufzeit einer Festplatte mit smartmontools feststellen

3. Januar 2015 Keine Kommentare

Mein Kontakt mit Linux hält sich abseits des Smartphones stark in Grenzen, für gewöhnlich nutze ich es nur, wenn mir der Einsatz von Windows noch umständlicher erscheint. So wie heute… ich habe mir bei Amazon eine „neue“ IDE-Festplatte bestellt, der man schon nach dem Auspacken ansehen konnte, dass sie so neu nicht sein kann. Also interessierte mich, wie lange das gute Stück denn bisher schon seinen Dienst verrichten durfte.

Da Festplatten über ein System namens Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology (abgekürzt SMART oder auch S.M.A.R.T.) verfügen, ist das Wo gar nicht so schwer, aber das Wie kann einen schon eher beschäftigen. Für Windows gibt es viele Programme, welche die SMART-Informationen auslesen und auswerten können. Dumm nur, wenn kein Windows zur Verfügung steht.

Ich nutze eigentlich nur noch ein Notebook, da kann ich mit dieser Festplatte schon mal nichts werden. Ein USB-Adapter wäre zwar schnell angeschlossen, aber über USB kommt man leider nicht an die SMART-Daten ran. Bleibt also nur der Rechner, für den die Festplatte bestimmt ist: ein HP e-PC c10. Mit einem P3 mit 1 GHz und ganzen 256 MB RAM nicht unbedingt zum Angeben geeignet, aber dafür schön klein ^^

Als Live-System habe ich mir SystemRescueCD ausgesucht, hauptsächlich da es schon fertig gebrannt im Regal lag, aber auch, weil es recht geringe Ansprüche an die Hardware stellt. Man kann auf der alten Kiste sogar die grafische Oberfläche starten, wenn man möchte, braucht man für das Vorhaben aber nicht. Wichtig ist aber, dass smartmontools installiert ist.

Also CD rein, booten und auf Betriebsbereitschaft warten. Zuerst benötigt man die Info, wie die Laufwerke denn heißen:

root@sysresccd /root % lshw -short

H/W path      Device      Class       Description
=================================================
                          system      e-Vectra
/0                        bus         HP System Board
/0/0                      memory      64KiB BIOS
/0/4                      processor   Pentium III (Coppermine)
/0/4/5                    memory      32KiB L1 cache
/0/4/6                    memory      256KiB L2 cache
/0/13                     memory      256MiB System Memory
/0/13/0                   memory      256MiB DIMM SDRAM Synchronous
/0/100                    bridge      82810E DC-133 (GMCH) Graphics Memory Controller Hub
/0/100/1                  display     82810E DC-133 (CGC) Chipset Graphics Controller
/0/100/1e                 bridge      82801AA PCI Bridge
/0/100/1e/2   enp1s2      network     3c905C-TX/TX-M [Tornado]
/0/100/1f                 bridge      82801AA ISA Bridge (LPC)
/0/100/1f.1               storage     82801AA IDE Controller
/0/100/1f.2               bus         82801AA USB Controller
/0/100/1f.3               bus         82801AA SMBus Controller
/0/100/1f.5               multimedia  82801AA AC'97 Audio Controller
/0/1          scsi0       storage     
/0/1/0.0.0    /dev/sda    disk        20GB ST320410A
/0/1/0.0.0/1  /dev/sda1   volume      18GiB Windows NTFS volume
/0/2          scsi1       storage     
/0/2/0.0.0    /dev/cdrom  disk        SCSI CD-ROM
/0/3          scsi2       storage     
/0/3/0.0.0    /dev/sdb    disk        1031MB SCSI Disk
/0/3/0.0.0/1  /dev/sdb1   volume      983MiB Windows FAT volume

Da man nun den Namen der Festplatte kennt, mit dem man sie ansprechen kann, kann es auch schon losgehen:

root@sysresccd /root % smartctl -i /dev/sda

smartctl 6.3 2014-07-26 r3976 [i686-linux-3.10.60-std441-i586] (local build)
Copyright (C) 2002-14, Bruce Allen, Christian Franke, www.smartmontools.org

=== START OF INFORMATION SECTION ===
Model Family:     Seagate U6
Device Model:     ST320410A
Serial Number:    5FG02MCC
Firmware Version: 3.31
User Capacity:    20,404,101,120 bytes [20.4 GB]
Sector Size:      512 bytes logical/physical
Device is:        In smartctl database [for details use: -P show]
ATA Version is:   ATA/ATAPI-6 (minor revision not indicated)
Local Time is:    Sat Jan  3 20:10:50 2015 UTC
SMART support is: Available - device has SMART capability.
SMART support is: Enabled

Sofern das Laufwerk SMART-Unterstützung hat und diese aktiviert ist, kann es weitergehen:

root@sysresccd /root % smartctl -A /dev/sda

smartctl 6.3 2014-07-26 r3976 [i686-linux-3.10.60-std441-i586] (local build)
Copyright (C) 2002-14, Bruce Allen, Christian Franke, www.smartmontools.org

=== START OF READ SMART DATA SECTION ===
SMART Attributes Data Structure revision number: 16
Vendor Specific SMART Attributes with Thresholds:
ID# ATTRIBUTE_NAME          FLAG     VALUE WORST THRESH TYPE      UPDATED  WHEN_FAILED RAW_VALUE
  1 Raw_Read_Error_Rate     0x000f   066   058   025    Pre-fail  Always       -       63482118
  3 Spin_Up_Time            0x0003   098   098   000    Pre-fail  Always       -       0
  4 Start_Stop_Count        0x0032   100   100   020    Old_age   Always       -       1
  5 Reallocated_Sector_Ct   0x0033   100   100   036    Pre-fail  Always       -       0
  7 Seek_Error_Rate         0x000f   078   060   030    Pre-fail  Always       -       77625164
  9 Power_On_Hours          0x0032   088   088   000    Old_age   Always       -       11065
 10 Spin_Retry_Count        0x0013   100   100   097    Pre-fail  Always       -       0
 12 Power_Cycle_Count       0x0032   098   098   020    Old_age   Always       -       2608
194 Temperature_Celsius     0x0022   035   051   000    Old_age   Always       -       35
195 Hardware_ECC_Recovered  0x001a   100   253   000    Old_age   Always       -       0
197 Current_Pending_Sector  0x0012   100   100   000    Old_age   Always       -       0
198 Offline_Uncorrectable   0x0010   100   100   000    Old_age   Offline      -       0
199 UDMA_CRC_Error_Count    0x003e   200   194   000    Old_age   Always       -       6
200 Multi_Zone_Error_Rate   0x0000   100   253   000    Old_age   Offline      -       0
202 Data_Address_Mark_Errs  0x0032   100   253   000    Old_age   Always       -       0

Mich interessierte hier Eintrag 9 Power_On_Hours, welcher die bisherige Laufzeit in Stunden beinhaltet. Es gibt aber auch Hersteller, die an Position 9 einen anderen Zähler vorsehen: Power_On_Minutes. In diesem Fall wird der Wert in Minuten angegeben. Bei Maxtor-Festplatten wird unter Power_On_Minutes direkt die Stunden und Minuten angegeben, dieser Zähler nullt wohl aber bei 1000 Stunden, weshalb diese Angabe nicht immer zuverlässig ist. Daher muss noch ein Schritt weiter gegangen werden, um auf Nummer sicher zu gehen.

root@sysresccd /root % smartctl -t short /dev/sda

smartctl 6.3 2014-07-26 r3976 [i686-linux-3.10.60-std441-i586] (local build)
Copyright (C) 2002-14, Bruce Allen, Christian Franke, www.smartmontools.org

=== START OF OFFLINE IMMEDIATE AND SELF-TEST SECTION ===
Sending command: "Execute SMART Short self-test routine immediately in off-line mode".
Drive command "Execute SMART Short self-test routine immediately in off-line mode" successful.
Testing has begun.
Please wait 1 minutes for test to complete.
Test will complete after Sat Jan  3 20:27:31 2015

Use smartctl -X to abort test.

Dieser Befehl startet einen Schnelltest der Festplatte, die voraussichtliche Dauer steht in der Ausgabe. Man kann auch einen Langtest starten, dieser dauert aber gern mal bis zu 30 Minuten, uns reicht der kurze aber aus.
Nach Ablauf der angegebenen Zeit kann das Ergebnis des Tests wie folgt abgefragt werden:

root@sysresccd /root % smartctl -l selftest /dev/sda

smartctl 6.3 2014-07-26 r3976 [i686-linux-3.10.60-std441-i586] (local build)
Copyright (C) 2002-14, Bruce Allen, Christian Franke, www.smartmontools.org

=== START OF READ SMART DATA SECTION ===
SMART Self-test log structure revision number 1
Num  Test_Description    Status                  Remaining  LifeTime(hours)  LBA_of_first_error
# 1  Short offline       Completed without error       00%     11066         -
# 2  Extended offline    Completed without error       00%     11065         -
# 3  Short offline       Completed without error       00%     11065         -

Fazit: Die getestete Festplatte hat bereits 11066 Betriebsstunden auf dem Buckel.

Und wem die geringe Größe komisch vorkommt…natürlich hab ich keine 20 GB Platte bei Amazon bestellt, aber als mir der Gedanke kam, die Vorgehensweise in diesem Beitrag festzuhalten, hatte ich die geprüfte Platte schon wieder ausgebaut und für die Rücksendung eingetütet, denn sie hatte sportliche 51831 Betriebsstunden, was mir für eine vermeintlich neue Festplatte dann doch zu viel war. Also hab ich das ganze Prozedere noch mal kurz mit der alten Festplatte durchgeführt, die vorher in dem Rechner war.